1982
Im April 1982: Gründung der Bürgerinitiative nach Bekanntwerden der div. Bauvorhaben auf den Rudower Feldern, obwohl die oberste Naturschutzbehörde das Feld am Selgenauer Weg sowie alle anderen Rudower Freiflächen der Kategorie der unbedingt von jeder Bebauung freizuhaltenden Flächen zuweist (Verantwortlicher Senator Hassemer, CDU).
Div. Großaktionen und Unterschriftensammlungen führen nach dramatischen Entwicklungen dazu, dass die Bezirksversammlung Neukölln beschließt, die Bebauung zu verhindern. Für diesen Fall hatte der damalige Bausenator Rastemborski (CDU) den Rudower Bürgern versprochen, eine Veränderungssperre für den gesamten Bereich zu erlassen. Mit dem fadenscheinigen Hinweis, im Antrag des Bezirks wäre ein Formfehler, unterschreibt er am nächsten Tag die Baugenehmigung. Die Tatsache, dass Rastemborski unter seltsamen Begleiterscheinungen später aus dem Amt und aus Rudow verschwindet, kann die Rudower nicht trösten. Sie fühlen sich verraten und von der Demokratie zutiefst enttäuscht.
Die Rolle der evangelischen Kirche
Die evangelische Kirche ist Besitzerin der Felder. Sie könnte die Bebauung verhindern, steht aber unter dem Zwang der Finanznot. Zunächst verweigern sich die Pfarrer und der Gemeindekirchenrat jeder Einladung zu Informationsgesprächen und jeder öffentlichen Stellungnahme. In einem Begleitschreiben zum Gemeindegruß werden die Mitglieder der Bürgerinitiative stattdessen beschimpft und verunglimpft. Erst auf Intervention des Superintendenten Gerbeit ist der Gemeindekirchenrat zu einem ersten Gespräch bereit. Die Mitglieder der Bürgerinitiative werden damit vertröstet, dass bis zum Abschluss der Verhandlungen noch viel Zeit vergehen würde. Auch in diesem Fall wurde der Pachtvertrag am nächsten Vormittag mit der Baugesellschaft unterschrieben. Selbst die Intervention der Synode zum Aufschub dieses Vertrages war erfolglos. Der Friedhof wurde im Anschluss daran für 3 Mio DM saniert. Im weiteren Verlauf der dann fortschreitenden Zerstörung der Feldflur wurde ein Rudower Pfarrer mit dem weißen Jaguar des Bauunternehmers gesichtet (Bericht der Berliner Morgenpost „Mein Gott Herr Pfarrer oder wie den Pfarrer Dr. Butzke der Teufel ritt“). Der kirchliche Verwalter Nickel wurde rechtskräftig wegen Bestechungsannahme zu einer Haftstrafe verurteilt.
1983
Nach allen Enttäuschungen verspricht der Gemeindekirchenrat in der Sitzung vom 22.09. den Rudower Bürgern den Erhalt des Restfeldes zwischen Ostburger Weg und Neuhofer Straße. Die Rudower Bürger vertrauen wieder ihrer Kirche.
(Ausführliche Einzelheiten sind der Broschüre „Rudow – 2 Chroniken“, 1984, zu entnehmen).
1987
Der Bezirk möchte auf dem o.g. Gelände ein riesiges Sportzentrum errichten. Diesmal bleibt die Kirche standhaft. Mit dem Hinweis auf den GKR-Beschluss wird das Gelände nicht preisgegeben. Das Vertrauen der Rudower in die Kirche wächst wieder.
In den darauffolgenden Jahren hat sich die Bürgerinitiative umbenannt in „Bürgerintiative Rudow e.V, vormals Rettet Rudows Felder“, weil andere Problembereiche mit erfasst werden sollten. Dieser Zeitraum muss noch für eine Chronik aufgearbeitet werden.
2009
Die Rudower Bürger haben sich mit der Opferung weiterer Großflächen in der Vergangenheit abgefunden.
Dann der Paukenschlag: Die evangelische Kirchengemeinde Rudow (wieder in Finanznöten wegen der geplanten Neubauten von Gemeindezentrum und Kita um die Rudower Dorfkirche, die das historische Gesamtensemble völlig zerstören würden) geht auf das Angebot von Bürgermeister Buschkowsky und Stadtrat Schimmang ein, die Verhandlungen zur Überlassung des Mette-Feldes für die Errichtung eines gigantisches Schulzentrums für bis zu 1200 Schülern zu beginnen. Durch Zufall geraten die Pläne sehr früh an die Öffentlichkeit. Zunächst wird nach alter Manier erst einmal abgestritten, Briefe an Pfarrer und GKR (seit Anfang März) werden monatelang nicht beantwortet (vgl. 1982!) und nur auf Anregung des Gemeindeausschusses werden GKR und betroffene Bürger zu einem Gespräch eingeladen. Auch der Superintendent Szyimanski nimmt daran teil ohne sich vorzustellen oder vorgestellt zu werden. Er soll schon frühzeitig mit Bürgermeister Buschkowsky die Angelegenheit besprochen haben. Die meisten Mitglieder des Gemeindeausschusses und des GKR zeigen sich abweisend und den Argumenten der Anwesenden völlig resistent. Pastor Hollweg (Immobilienspezalist im früheren Leben, kein Rudower) weist immer nur auf die Finanznot der Kirche hin. Die Kirche wird die Verhandlungen mit dem Bezirk aufnehmen.
Die betroffenen Mitbürger reagieren empört.
Am 9.7.2009 erscheinen in einer einberufenen Versammlung der Betroffenen über 200 empörte Mitbürger, die eine sofortige Reaktivierung der Bürgerinitiative „Rettet Rudows Felder“ beschließen (s. Protokoll). Rufe nach sofortigen Kirchenaustritten werden laut.
(Die Chronik wird fortgesetzt).
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